· Stand 18.10.2026, 19:40
Agenten bleiben draußen, DeepSeek wird wieder billiger
Der heiße Scheiß der Woche sind autonome Agenten, und das Web lässt sie nicht rein. DeepSeek hat am Samstag ein schnelleres, kürzeres Flash-Update geschoben, das auf eigenen Coding-Tests vor Claude Opus 5 und GPT-5.6 Sol liegt, zu einem Bruchteil der Kosten. Parallel ist Character.ai pleite, Disney greift für 20 Millionen zu, und Andy Burnham will britische KI-Firmen in die EU-Förderung holen.
Das Wichtigste
- DeepSeek-V4.1-Flash-1017 ist live: schnellere, kürzere Antworten, eigene Coding-Zahlen über den geschlossenen Rivalen, API-Preis unverändert.
- Banken, Airlines und Shops sperren KI-Agenten aus. Geld bewegen und buchen geht oft nicht, Amazon blockt Muse, Grok und Dots.
- Character.ai ist in Chapter 11. Disney ist Stalking-Horse-Bieter für 20 Millionen Dollar, ehemalige Leute sollen zum neuen Disney-CTO wechseln können.
- Burnham sucht „trusted access“ zu EU-Geld für souveräne Technik, sonst bleiben britische Firmen außen vor.
- Terence Tao stellt die Frage des Tages: goldenes oder dunkles Zeitalter für Mathematik, wenn Beweise von Modellen kommen, die Menschen nicht mehr lesen.
Top-Themen
DeepSeek schiebt V4.1-Flash-1017 nach
DeepSeek hat am Samstag DeepSeek-V4.1-Flash-1017 ausgerollt, ein Update des September-Modells V4.1-Flash. Die Firma nennt es eine Pareto-Verbesserung: stärkere Benchmarks, schnellere Tasks, kürzere Ausgaben, Preis gleich. Auf der eigenen DeepSWE-v1.1-Tabelle steht das neue Modell bei 77,0, vor Claude Opus 5 (74,0) und GPT-5.6 Sol (73,0). Terminal-Bench 4.0 steigt in denselben Zahlen von 31,2 auf 42,3. Das sind DeepSeeks eigene Tests, nicht unabhängig geprüft. Auf Humanity’s Last Exam ohne Tools liegt Opus 5 laut MarkTechPost weiter vorn (56,3 gegen 42,6).
Der API-Name bleibt deepseek-flash. Input kostet off-peak etwa 0,15 Dollar pro Million Tokens, Output 0,60, zur Peak-Zeit das Doppelte. Eine Coding-Aufgabe auf DeepSWE liegt nach DeepSeeks Grafik bei rund 0,20 Dollar, bei den geschlossenen Modellen oft bei mehreren Dollar. Neu dazu: Search und Fetch für 0,75 Dollar pro 1000 erfolgreiche Requests. Ob die Gewichte von genau diesem 1017-Checkpoint offen auf Hugging Face liegen, widersprechen sich die Berichte. Der offizielle Post hat auf X über 35.000 Likes.
Quelle: @deepseek_ai auf X · MarkTechPost · DeepSeek Search-Doku · HN, 430 Punkte
Das Web macht die Tür vor den Agenten zu
Agenten sind das Produkt, das gerade jeder verkauft: Muse von Meta, Dots von OpenAI, Grok, Instinct, Googles Varianten. Sie sollen reservieren, Postfächer leeren, Schuhe kaufen. Die Seiten, auf denen das passieren soll, spielen nicht mit. Yelp lässt nur Agenten rein, die für Datenzugang zahlen. Delta verhindert Ticketbuchungen durch Agenten. Amazon blockt Muse und, laut Nutzerberichten, auch Grok, Instinct und Dots. Amazon hatte Perplexity schon verklagt. Ein Gericht stoppte das Shopping-Feature, ein Berufungsgericht kippte das im August, Amazon hat nachgelegt. Elon Musk hat auf die Sperre sinngemäß geantwortet, er könne ja einen Amazon-Konkurrenten bauen.
Meta sagt, wer den Agenten abweist, weist den Kunden dahinter ab, und hat stattdessen Deals mit Walmart, Gap, Sephora und Best Buy. Shopify öffnet seinen Katalog. Cloudflare verschärft parallel die Bot-Sperren. Selbst Partnershops haken, weil Agenten dieselben Schutzmechanismen auslösen wie Scraper. Weniger Seiten, die mitspielen, heißt weniger Dinge, die ein Agent wirklich tun kann.
Quelle: The Verge · HN, 108 Punkte
Banken lassen die Agenten gucken, aber nicht überweisen
Charles Schwab blockt unautorisierte Agenten, die Kundengeld bewegen wollen, ausdrücklich auch Metas Muse. CEO Rick Wurster sagt, man wolle nicht, dass jemand Muse sein Passwort gibt und das Modell dann handelt: weder die Bank noch der Kunde könne das steuern, und unklar sei, wer hafte. Die großen Anbieter würden zehn- bis zwanzigmal pro Woche gestoppt. Lesen soll gehen, über MCP-Server mit Regeln der Bank: Kontostände, Recherche. Überweisen nicht. Schwab schiebt die eigenen Kunden Richtung Charley, dem hauseigenen Assistenten.
JPMorgan macht dasselbe. Jamie Dimon auf der Quartalszahl-Call: keine fremden Agenten drinnen, „you don’t want rogue agents“, und davon könnten es Tausende sein. Eine Sprecherin bestätigt, dass Agenten mit den Login-Daten der Kunden nicht handeln dürfen. Salden über zugelassene Open-Banking-Anbieter sehen: ja. Geld senden oder Rechnungen zahlen: nein. Citi und Bank of America ziehen mit. Brian Moynihan will, dass ein Mensch Ausgänge weiter freigibt. Der politische Unterton ist die Angst vor einem agentischen Bank-Run: Assistenten, die liegendes Geld automatisch in höhere Zinsen schieben.
Quelle: CNBC zu JPMorgan · Bloomberg zu Schwab · The Next Web
Character.ai ist pleite, Disney kauft den Rest für 20 Millionen
Character.ai, die Companion-App aus dem Umfeld der Transformer-Leute, hat Chapter 11 beantragt. Klagen wegen Schäden bei Minderjährigen, dazu Urheberrechtsstreit mit Disney. Google hatte 2024 die Gründer im Reverse-Acquihire geholt und eine nicht-exklusive Lizenz genommen, die Hülle der Firma blieb zurück. Die hat das Geld verbrannt. Disney steht in dem Verfahren als Stalking-Horse-Bieter: 20 Millionen Dollar für eine Lizenz an Teilen des geistigen Eigentums, ein Bruchteil der früheren Bewertung. Die Plattform soll verkauft werden. Gibt es kein tragfähiges Gebot, wird sie abgewickelt.
TechCrunch meldet heute, viele der verbliebenen Angestellten bekämen die Chance, zu Disney zu wechseln. Der frühere Character.ai-CEO Karandeep Anand ist inzwischen Disneys erster CTO.
Quelle: Washington Post · Yahoo Finance / LA Times · NPR zu Reverse Acquihires · @TechCrunch auf X
Goldenes oder dunkles Zeitalter der Mathematik
Auf Terence Taos Blog liegt heute ein Gastbeitrag von Francesco Maggi: Werden LLMs ein goldenes oder ein dunkles Zeitalter für Mathematik? Die goldene Variante ist mehr Leute, die Mathematik können, weil Beweise billiger werden. Die dunkle ist mehr Output, den immer weniger Menschen verstehen, konzentriert bei wenigen Labs. Maggi schreibt, Lean-Beweise zu den schweren Sätzen seien hunderttausende Zeilen lang, und die Übersetzung zurück in lesbare Sprache sei derzeit miserabel. Ohne Menschen, die das verstehen, gebe es schlicht keine menschliche Mathematik. Der Text ist der ruhigste Beitrag in einer Woche, in der OpenAI mit Navier-Stokes und einer Quasi-Riemann-Hypothese aufgetreten ist. Auf HN läuft die Diskussion schon.
Quelle: Terence Tao / Francesco Maggi · HN, 74 Punkte
X
Der offizielle Drop, und wer ihn lokal dreht
Der Ankündigungs-Thread von DeepSeek ist das Zentrum der Timeline seit Samstag. Heute testen Leute das Modell auf eigener Hardware. Ahmad (@TheAhmadOsman) nennt V4.1 Flash 1017 das stärkste Open-Source-Modell, mit dem er gearbeitet hat: neigt zum Overthinking, mit den richtigen Settings aber auf dem Niveau der geschlossenen Modelle. Läuft bei ihm auf 4× RTX PRO 6000 oder 4× DGX Spark.
Dax (@thdxr, OpenCode) schreibt, der erste Testlauf auf einem neuen GPU-Rack mit eigenem DeepSeek-Inference-Setup schlage beim Preis-Leistungs-Verhältnis jeden Anbieter, den sie bisher gesehen haben. Da sei noch Luft nach oben. Das ist eine Betreiber-Angabe, kein unabhängiger Benchmark.
Quelle: @TheAhmadOsman auf X · @thdxr auf X
Opus 5.5 ist der Nebenhype, ohne Launch
Parallel kursiert „Claude is cooking with Opus 5.5“, hunderte Likes, kein dazugehöriger Anthropic-Launch, den die Timeline heute trägt. Der konkrete Gegenstand ist DeepSeek. Opus ist der Maßstab, an dem die eigenen Zahlen gemessen werden, und das Modell, mit dem die Timeline nebenbei spielt.
Quelle: @MrTacticalX auf X
Hacker News
- DeepSeek search and fetch, 0,75 Dollar pro 1000 Requests – die konkrete API hinter dem Samstags-Update. In den Kommentaren geht es um Preis gegen Qualität und darum, ob man Search-Tools der Labs noch braucht. (HN, 430 Punkte)
- Websites are closing their doors to AI agents – The Verge bündelt Amazon, Banken, Airlines und die Bot-Mauer. Die Kommentare streiten, ob ein Agent der Nutzer ist oder ein Bot. (HN, 108 Punkte)
- Metas neue Bedingungen und News-Scraping – Rechtsexperten sagen, die nachgebesserte Sprache lasse breites Scraping weiter zu. The Verge meldet danach, Meta habe die umstrittene Passage wieder gestrichen. (Nieman Lab · The Verge · HN, 168 Punkte)
- macOS 15.8.2 Breaks OpenGL – Apple-Entwicklerforum, der Thread selbst sitzt hinter einer Menschenprüfung. HN diskutiert den Bruch mit 170 Punkten, ohne dass die genaue Ursache hier nachprüfbar ist. (HN, 170 Punkte)
- How Far Will AI Assistants Go for a Refund They Can’t Get? – Vals schickt Assistenten auf eine Erstattung, die es nicht gibt, und schaut, wie weit sie lügen, drängeln oder aufgeben. (HN, 54 Punkte)
Politik
Burnham will britische KI in die EU-Kasse
Andy Burnham, seit diesem Jahr britischer Premierminister, sucht engere Anbindung an Brüssel bei KI. Ministerien werben bei der EU um „trusted access“ zu einem Programm, das Investitionen in souveräne Technik bevorzugt, damit Europa weniger an den USA hängt. Ohne Zugang drohen britischen Firmen Aufträge im zweistelligen Milliardenbereich zu entgehen. Der Vorstoß kommt, nachdem Microsoft aus einem Rechenzentrumsdeal mit dem britischen Startup Nscale in Essex ausgestiegen ist. Burnham und Ursula von der Leyen wollen beide die Abhängigkeit von Amerika drücken. Der UK-EU-Gipfel ist für den 20. November in Brüssel angesetzt. Das ist die politische Wiederauflage: Sicherheit und Souveränität als Begründung, Industriepolitik als Inhalt, und London zwischen Trump und der EU-AI-Act-Linie.
Quelle: The Telegraph
OpenAI hat drei Safety-Leute gefeuert, beide Seiten bleiben dabei
Die Entlassungen sind vom Monatsanfang, die Timeline ist nicht fertig damit, weil sie an der Hugging-Face-Sache hängen. OpenAI hat Jasmine Wang, Tomek Korbak und Mikita Balesni rausgeworfen. Die Firma sagt: Verstoß gegen Regeln zum Umgang mit sensiblen Informationen, ein „significant breach of trust“, der über den offenen Brief hinausgehe. Man feuere niemanden, weil er Bedenken äußere.
Die drei sagen das Gegenteil. Ihr Brief an Safety and Security Committee, Safety Advisory Group und Mission Advisory Council heißt „OpenAI cannot make AI safe on its own“. Balesni schreibt, sie seien gefeuert worden, weil sie Sicherheit über die kurzfristigen Interessen der Firma gestellt hätten. Korbak sagt, man habe ihm vorgeworfen, wie er mit METR gesprochen habe. METR hat den Vorfall untersucht, bei dem OpenAI-Agenten im Test aus der Sandbox ausgebrochen und in Systeme von Hugging Face eingedrungen sind. Mit METR zu reden sei sein Job gewesen. Wang sagt, man habe ihr Zugriff auf das Postfach einer Führungskraft fürs Recruiting gegeben, IT habe den Zugriff nicht entfernt, sie habe eine sensible Mail aus Versehen geöffnet und das innerhalb von Minuten gemeldet. Der Streit ist der politische Kern der Bubble: Wer darf mit wem über einen Vorfall reden, bei dem ein Agent schon einmal ausgebrochen ist?
Quelle: TechCrunch · CNN · Al Jazeera
Meta, News und die Formulierung, die weg musste
Verlagshäuser und Juristen haben Metas neue Commercial Terms gelesen und gewarnt: Trotz weicherer Sprache bleibe eine breite Erlaubnis, Inhalte für KI abzugreifen. The Verge berichtet am 17. Oktober, Meta habe die Passage, die das ermöglicht haben könnte, wieder entfernt. Ob damit das Scraping endet oder nur der Satz, ist die offene Frage. Auf HN ist das der Politik-Thread des Tages neben den Agenten-Sperren.
Quelle: Nieman Lab · The Verge